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⚠️ Kernaussagen / Zielsetzung: Interdisziplinäre Klimabildung ist entscheidend, da sie den Klimawandel nicht nur aus naturwissenschaftlicher Sicht, sondern auch in seinen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Dimensionen betrachtet. Nur durch die Einbindung dieser vielfältigen Perspektiven kann ein umfassendes Verständnis des Klimawandels vermittelt werden. Dieser Abschnitt zeigt auf, wie Sie aktiv dazu beitragen können, interdisziplinäre Klimabildung zu fördern.
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Beschreibung - Was ist das?
Interdisziplinäres Wissen in der Klimabildung beinhaltet nicht nur naturwissenschaftliche und ökologische Aspekte des Klimawandels, sondern berücksichtigt auch soziale, ökonomische und politische Zusammenhänge.
Erklärung - Warum ist das relevant?
Der Klimawandel ist multidimensionales Thema, das von verschiedenen Disziplinen betrachtet werden kann und sich nicht allein durch naturwissenschaftliche Erklärungen begreifen lässt.
Die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Migration, sozialer Gerechtigkeit oder nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung sind nur einige der vielen interdisziplinären Verbindungen, die ein interdisziplinäres Verständnis der Klimakrise erfordern. Trotzdem konzentriert sich der Lehrinhalt vieler Bildungseinrichtungen weltweit, einschließlich in Deutschland, überwiegend auf die physikalischen Grundlagen, wobei andere dimensionale Aspekte vernachlässigt werden (Kranz et al. 2023). Dabei ist es von zentraler Bedeutung, dass Klimabildung nicht als separates, eigenständiges Fach oder nur als Teil des naturwissenschaftlichen Unterrichts eingeführt wird, sondern in bestehende Fächer wie Naturwissenschaften, Gesellschaftskunde, Geografie, Sozialkunde, Geschichte, Sprachen, Theater und Kunst integriert wird (Anderson 2012).
Nur durch diese Integration kann ein umfassendes Verständnis des Klimawandels als Krise mit vielschichtigen Ursachen und Auswirkungen erreicht werden, das über die Grenzen einzelner Schulfächer oder fachlicher Disziplinen hinausgeht.
Beispiele - Wie kann ich mir das vorstellen?
- Globale Zusammenhänge vermitteln: Eine interdisziplinäre Klimabildung beleuchtet beispielsweise, wie der Klimawandel globale Ungleichheiten und Armut verstärken kann und soziale Gerechtigkeit beeinflusst. Auch die Rolle von Unternehmen, Politik und Gesellschaft in der Klimabekämpfung sowie internationale Verträge wie das Pariser Abkommen sollten erläutert werden (Mochizuki und Bryan 2015).
- Politische Perspektiven nachvollziehen: Praktische Beispiele verdeutlichen, dass beeindruckende Resultate erzielt werden können, wenn Lernende beispielsweise politische Entscheidungsprozesse spielerisch nachstellen. Eine Studie aus Schweden führte eine Simulation internationaler klimapolitischer Verhandlungen durch, bei der die Lernenden die Positionen verschiedener Länder einnahmen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Lernenden die verschiedenen Perspektiven verstehen und zu einer gemeinsamen Lösung gelangen konnten (Kranz et al. 2023).
- Fächerübergreifende Betrachtung - Einblicke aus Finnland: Im Jahr 2020 führte Finnland den sogenannten Phänomen-Unterricht für Schüler:innen im Alter von 7 bis 16 Jahren ein. Anstatt komplexe Themen wie den Klimawandel isoliert in einzelnen Fächern zu behandeln, nimmt der Phänomen-Unterricht eine übergreifende Perspektive ein, die den herkömmlichen Unterricht ergänzt. Dadurch gewinnen die Schüler:innen beispielsweise Einblicke in die Verknüpfungen zwischen Klimawandel und Biodiversität, erlernen die historische Dimension des Klimawandels aus einem geschichtlichen Blickwinkel und setzen sich wirtschaftlich mit den Auswirkungen und Kosten des Klimawandels auseinander (Anders 2022) (Wallkötter 2023).
Handlungsoptionen für Stiftungen
- Sensibilisierung und Advocacy: Setzen Sie sich dafür ein, dass der Klimawandel nicht ausschließlich im naturwissenschaftlichen Kontext gelehrt wird, sondern in verschiedenen Unterrichtsfächern, Ausbildungen und Studiengängen verankert wird. Bringen Sie dafür beispielsweise Bildungsexpert:innen zusammen, um klare Leitlinien zur interdisziplinären Integration des Klimawandels in den Lehrplan zu entwickeln und gehen Sie aktiv auf Bildungsbehörden und relevante bildungspolitische Entscheidungsträger:innen zu, um diese Leitlinien mit ihnen zu teilen. #Bildungspolitik #Schulbildung #Berufsausbildung #Hochschulbildung #Bildungssystem #Einflussnahme
- Integrierte Ansätze begünstigen: Kreieren oder fördern Sie die Entwicklung von Konzepten oder Lehrmaterialien, die dazu beitragen, das komplexe Thema des Klimawandels in einem breiten Spektrum von Lerninhalten authentisch einzubetten. Ein inspirierendes Beispiel ist das von EPIZ entwickelte Konzept, welches klare Richtlinien bietet, um den Klimawandel in unterschiedliche Schulfächer wie Englisch, Mathematik, Geografie, Kunst und Ethik zu integrieren. #Bildungseinrichtungen #Lehrkräfte/Pädagog:innen #Schulbildung #Bildungsmaterialien
- Schulungen für Lehrkräfte: Organisieren Sie Schulungen und Workshops, um Lehrkräften dabei zu helfen, die komplexen Aspekte des Klimawandels aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Diese Schulungen sollten praxisorientiert sein und die notwendigen Werkzeuge und Ressourcen zur Verfügung stellen, um interdisziplinäre Ansätze mühelos in ihren Unterricht zu integrieren. Als Beispiel könnten Lehrer:innen gemeinsam mit Expert:innen aus verschiedenen Fachbereichen kooperieren, um den interdisziplinären Charakter des Klimawandels zu erfassen, ihr Fachwissen zu vertiefen und Lehrmethoden zu entwickeln, die die vielschichtige Dimension dieses Themas abbilden. #Lehrkräfte/Pädagog:innen #Schulbildung #Weiterbildungen
- Klima-Ausstellungen: Etablieren Sie Kooperationen mit außerschulischen Bildungseinrichtungen wie Theatern und fördern oder gestalten Sie interaktive Ausstellungen, die die komplexen Verknüpfungen des Klimawandels verdeutlichen. Lernende können hier beispielsweise Entscheidungsprozesse in globalen Klimaforen nachvollziehen, oder sich mit den sozialen Folgen schwindender Gletscher und Ernteausfälle auseinandersetzen. Mithilfe von visuellen Darstellungen, Simulationen und praktischen Übungen wird der Lernprozess intensiviert. #Lernende #Bildungseinrichtungen #Schulbildung #Hochschulbildung #AußerschulischeBildung #KulturelleBildung #PolitischeBildung #PartizipativeBildung #Persönlichkeitsentwicklung #Netzwerke
- Klimawandel in Szene: Fördern Sie in Zusammenarbeit mit Theatern Aufführungen, die Lernende dazu anregen, die Interdisziplinarität des Klimawandels zu erkennen. Durch die Darstellung ethischer Dilemmata können die Lernenden aktiv in verschiedene Rollen schlüpfen. Sie werden ermutigt, sich mit den komplexen moralischen Fragen im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu auseinanderzusetzen. Ein solches Theaterstück kann beispielsweise das Schicksal einer Familie darstellen, die aufgrund von Klimaauswirkungen aus ihrer Heimat flüchten muss, um zu verdeutlichen, dass der Klimawandel nicht nur ein ökologisches Problem ist, sondern eine Krise mit tiefgreifenden sozioökonomischen Auswirkungen. #Lernende #Bildungseinrichtungen #AußerschulischeBildung #Schulbildung #KulturelleBildung #Persönlichkeitsentwicklung #Netzwerke
- Interdisziplinäre Wettbewerbe oder Projekte: Initiieren Sie Projekte wie beispielsweise Ideenwettbewerbe, die Lernende dazu anregen, in interdisziplinären Teams zusammenzuarbeiten und bereichsübergreifende Lösungsansätze für klimabezogene Herausforderungen zu entwickeln. Im Hochschul- und Berufsbildungskontext könnten angehende Ingenieur:innen, Elektroniker:innen, Geograf:innen, Wirtschaftswissenschaftler:innen oder Sozialwissenschaftler:innen in einem Team kooperieren, um eine nachhaltige Infrastrukturplanung zu realisieren, indem sie technische, geografische, ökonomische und gesellschaftliche Aspekte miteinander verknüpfen. Dies stärkt nicht nur die Teamarbeit, sondern sensibilisiert auch für die zentrale Bedeutung der Interdisziplinarität. Ebenso können solche Projekte im schulischen Rahmen umgesetzt werden, indem Sie beispielsweise Workshops initiieren, in denen Schüler:innen Fallstudien bearbeiten und dabei jeweils die Perspektive eines Unterrichtsfachs vertreten. #Lernende #Schulbildung #Berufsausbildung #Hochschulbildung #PartizipativeBildung #Stadt-/Quartiersentwicklung #Mobilisierung